Gerade in einer Zeit, in der Algorithmen unsere Aufmerksamkeit fressen, politische Debatten im Viervierteltakt stolpern und Spotify uns erklären will, dass die User nicht Musik, sondern Spotify hören sollen, freut man sich, dass es endlich ein Ensemble gibt, das die Dinge wieder ins rhythmische Gleichgewicht bringt: Das Indian Impro Lab der HMDK Stuttgart unter der Leitung von Matthias Schriefl.
Am heutigen Abend verwandelt diese interkontinentale Klangforschungsstation die KISTE in ein Labor für südindische Ekstase, kollektive Begeisterung und harmonische Grenzüberschreitungen. Hier werden indische Rhythmuskonzepte wie Konnakol und Muktayams nicht einfach zitiert – sie werden mit westlicher Harmonik verschmolzen, mit Jazz-Grooves aufgeladen und durch die Schleuderkammer der Fantasie gejagt. Wo andere Bands ein Intro spielen, eröffnet das Indian Impro Lab ein neues Zeit-Raum-Kontinuum in 11½.
Im letzten halben Jahr hat die Band nagelneue Stücke erarbeitet, eigens geschrieben von Matthias Schriefl – Musik, die gleichzeitig klingt wie ein Tempelfest in Chennai, eine Jam-Session in New Orleans und ein Alphorn-Unfall auf der B27. Raffinierte Bläsersätze treffen auf eruptive Grooves, tiefsehende Textpassagen auf musikalischen Wahnsinn mit wissenschaftlicher Präzision. Jede Komposition bietet Raum für Improvisation, Ensemble-Interaktion und spontane rhythmische Offenbarungen, die mit Sicherheit auch mittelgroße kommunalpolitische Konflikte lösen können.



